Verstand oder Gefühl – kennst Du Deinen Otto?

Verstand oder Gefühl – kennst Du Deinen Otto?

Hallo, ich bin Otto. Ich bin ein Hund – irgendetwas zwischen Straßenköter und Jagdhund und habe in meinem Leben so einiges erlebt. Schon lange bevor ein Känguru mit roten Boxhandschuhen durch die Welt hüpfte begleitete ich meinen Master (so nenne ich den Typ neben mir – das schmeichelt ihm) durch das Leben und half ihm mit so manchen Kommentar einmal über sein Tun nachzudenken.

Natürlich kann ich sprechen und mit Harvey, dem Hasen aus dem Filmklassiker „Mein Freund Harvey“ mit James Stuart, verbindet mich die Unsichtbarkeit. Außer meinem Master kann mich also niemand hören oder sehen. Vielleicht fragst Du Dich nun, was das alles soll? Wozu soll es einen Hund geben, den nur eine Person hören oder sehen kann?

In dem Filmklassiker konnte auch keiner den Hasen Harvey sehen oder hören. Nur sein Freund Elwood P. Dowd (gespielt von James Stuart) konnte mit ihm kommunizieren. Harvey war ein wahrer Helfer, der Elwood stets unterstützte und ihn zu einem wahren Freund der Güte gemacht hat. Zitat von Elwood aus dem Film: „Man kann auf zwei Wegen gut durch das Leben kommen, entweder man ist sehr schlau oder sehr freundlich. Früher war ich sehr schlau, nun bin ich sehr freundlich.“

Vielleicht ist das die Gretchenfrage unserer Zeit: Verstand oder Gefühl – was soll unser Handeln bestimmen?

Bis vor wenigen Jahren viel die Antwort klar aus - Gefühlskontrolle galt als Tugend, ja, sogar als Grundlage des gedeihlichen Miteinanders, der persönlichen Seriosität und nicht zuletzt als Führungsqualität schlechthin.
Die Zeiten haben sich nun geändert: Mitgefühl und Achtsamkeit gehören zum bildungsbürgerlichen Basiswissen.

Damit ist die Kuh aber nicht vom Eis. Um es in den Worten von Johann Wolfgang von Goethe zu sagen „Es ist nicht genug, zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug, zu wollen, man muss auch tun.“ So stehen sehr viele Menschen nun da und in ihrem Neokortex kämpfen die über Jahre konditionierten verstandsorientierten Verhaltensmuster mit der neusten Mode, der Offenheit für Gefühle.

Hier komme ich als Otto ins Spiel. In dieser westlichen, stark verstandsdominierten Welt bin ich vielleicht einfach nur ein materialisierte Bauchgefühl – naja, ein fast materialisiertes.

Ich möchte hier auch keine Schwarzweißmalerei betreiben. Natürlich gibt es eine Menge Situationen, wo das Handeln mit Verstand absolut korrekt ist. Aber kennt ihr auch die andere Seite? Die der Gefühle? Im Laufe der Zeit haben die meisten Menschen (zumindest in der westlichen Welt) es verlernt, auf die eigenen Gefühle zu hören. Das Bauchgefühl kennen wir alle. Dieses nicht definierbare Gefühl, dass da etwas nicht stimmt. Aber wie häufig sagen wir dann doch „Ja“ zu etwas, obwohl unser Bauch ganz klar „Nein“ sagt. Und wenn die Sache dann schief läuft, dann sagen wir uns: „Das hatte ich doch gefühlt, dass das nicht klappt“. Und häufig gehen wir in der Situation dann auch noch recht unlieb mit uns um und beschimpfen uns innerlich als Versager.

Als Otto gebe einfach meinen Senf dazu und passe auf, wenn mein Master mal wieder DENKT, er müsse irgendetwas tun, weil man das halt so macht. Dann frage ich nach – mal provokant, mal sanft -, was denn seine Gefühle dazu so sagen!

In diesem Sinne wünsche ich euch viel Spaß beim lesen. Vielleicht kommt damit ja auch der Otto in Dir zum Vorschein – oder wie auch immer der- oder diejenige bei euch heißt. Und unter Freunden gebe ich Dir den Tipp: Du brichst Dir keinen Zacken aus der Krone, wenn Du ihm dann einfach mal Deine Aufmerksamkeit schenkst.

Bis die Tage,
wir sehen uns (wohl eher nicht ;-))
Dein Otto

Seinen Otto finden, Übungen in Achtsamkeit und Selbstmitgefühl sind Bestandteil aller Module des MORE|OPEN Curriculums. Die neue Terminserie 2019/2020 findest Du hier.

Photo (oben): von sweet-ice-cream (321073 auf unsplash)